Kurze Antwort: Ja, in Aachen darf man grundsätzlich eine Drohne fliegen — allerdings mit besonderen Einschränkungen. Aachen liegt im Dreiländereck Deutschland-Belgien-Niederlande, was bei grenznahen Flügen die Beachtung von bis zu drei nationalen Rechtsordnungen erfordert. Der Aachener Dom als erstes UNESCO-Welterbe Deutschlands und der Flugplatz Aachen-Merzbrück erzeugen zusätzliche Beschränkungen. LBA-Registrierung, Versicherung und Geo-Zonen-Prüfung sind Pflicht.
In Aachen gelten die EU-Drohnenvorschriften nach der Durchführungsverordnung 2019/947. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) ist die zuständige nationale Behörde. Nordrhein-Westfalen hat keine landesspezifischen Drohnengesetze über das Bundesrecht (LuftVO, LuftVG) hinaus.
Flüge in der offenen Kategorie sind unter 120 m Höhe und in Sichtweite (VLOS) möglich. Die Unterkategorien A1, A2 und A3 regeln den Abstand zu unbeteiligten Personen. Aachens Lage im Dreiländereck macht die Flugplanung in grenznahen Bereichen besonders komplex.
Jeder Drohnenbetreiber muss sich auf lba-openuav.de registrieren (€20 Privatpersonen, €50 Unternehmen). Die e-ID muss sichtbar an der Drohne angebracht werden. Der A1/A3-Kompetenznachweis ist für Drohnen ab 250 g oder mit Kamera Pflicht (Online-Prüfung, €25). Der A2-Kenntnisnachweis erfordert eine Prüfung bei einer anerkannten Stelle (€200-€890, plus €30 LBA-Gebühr).
Aachen grenzt unmittelbar an Belgien (Wallonien) und die Niederlande (Limburg). Der berühmte Dreiländerpunkt (Drielandenpunt) auf dem Vaalserberg liegt nur wenige Kilometer südwestlich des Stadtzentrums. Für Drohnenpiloten erzeugt diese Grenzlage eine einzigartige Herausforderung.
Obwohl alle drei Länder unter die EU-Drohnenverordnung 2019/947 fallen, haben die nationalen Luftfahrtbehörden — LBA (Deutschland), DGTA (Belgien) und ILT (Niederlande) — jeweils eigene geografische Zonen und ergänzende nationale Regelungen veröffentlicht. Eine deutsche LBA-Registrierung gilt dank EU-Gegenseitigkeit auch in Belgien und den Niederlanden, jedoch müssen die jeweiligen nationalen Geo-Zonen und Zusatzregeln eingehalten werden.
Konkret: Ein Flug, der auf deutschem Gebiet startet und unbeabsichtigt die belgische oder niederländische Grenze überfliegt, fällt ab dem Grenzübertritt unter die Geo-Zonen des jeweiligen Nachbarlandes. Insbesondere in den Südwestbezirken Aachens (Preuswald, Vaalserquartier, Bildchen) und am Dreiländereck ist die Grenze oft nur wenige hundert Meter entfernt und im Gelände nicht erkennbar.
Prüfen Sie vor Flügen nahe der Grenze die Geo-Zonen aller betroffenen Länder. Die niederländische Drohnenkarte (kaart.pdok.nl) und die belgische Skeyes-App zeigen die jeweils geltenden Beschränkungen.
Der Flugplatz Aachen-Merzbrück (EDKA) liegt etwa 8 km nordöstlich des Stadtzentrums im Stadtteil Merzbrück. Der Platz dient der Allgemeinen Luftfahrt und der RWTH Aachen für Forschungszwecke. Die Platzrunde und lokale Beschränkungen gelten im unmittelbaren Umfeld. Innerhalb der Platzrunde ist eine Freigabe durch die örtliche Flugleitung erforderlich.
Der Flughafen Maastricht Aachen (MST) in den Niederlanden liegt nur etwa 30 km nordwestlich. Seine An- und Abflugverfahren können den nördlichen Aachener Luftraum beeinflussen — prüfen Sie NOTAM und die niederländische Luftraumkarte.
Der Aachener Dom — 1978 als erstes deutsches Bauwerk in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen — ist das Wahrzeichen der Stadt. Das Dommodell mit der karolingischen Pfalzkapelle, dem gotischen Glashaus und dem Domschatz zieht ganzjährig Besucher an.
Das Überfliegen des Doms und des Domplatzes ist wegen der regelmäßig hohen Besucherzahlen in der offenen Kategorie kaum regelkonform. Bei Gottesdiensten, dem Karlspreis-Zeremoniell und dem Aachener Weihnachtsmarkt auf dem Katschhof gelten zusätzliche temporäre Beschränkungen. Das Rathaus — unmittelbar nördlich des Doms, ebenfalls auf den Fundamenten der Kaiserpfalz errichtet — ist als historisches Regierungsgebäude besonders sensibel.
Die RWTH Aachen — eine der führenden technischen Universitäten Europas — ist über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Einzelne Institute (insbesondere im Bereich Luft- und Raumfahrttechnik am Campus Merzbrück) können Forschungsgelände mit eigenen Beschränkungen haben. Drohnenflüge über Universitätsgebäuden und Forschungseinrichtungen erfordern Rücksichtnahme und gegebenenfalls Abstimmung mit der Einrichtung.
Südlich von Aachen beginnen die Ausläufer der Eifel. Der Aachener Wald — das größte zusammenhängende Waldgebiet im Stadtgebiet — und das angrenzende Hohe Venn (auf belgischer Seite) sind teilweise als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Drohnenflüge in Naturschutzgebieten sind ohne Sondergenehmigung verboten. Im Hohen Venn (Belgien) gelten die belgischen Naturschutzregeln.
Das Wurmtal und die Indeaue bieten potenziell geeignete offene Flächen, sofern sie nicht unter Landschafts- oder Naturschutz stehen. Prüfen Sie die genauen Schutzgebietsgrenzen beim Landesumweltamt NRW (LANUV).
Die Drohnen-Haftpflichtversicherung ist in Deutschland ohne Ausnahme Pflicht. Fliegen ohne gültige Versicherung ist eine Ordnungswidrigkeit nach LuftVG. Ihre deutsche Versicherung sollte auch Flüge im EU-Ausland abdecken — prüfen Sie die territoriale Geltung Ihrer Police, wenn Sie nahe der belgischen oder niederländischen Grenze fliegen.
Verstöße werden nach LuftVG §§58 und 59 mit Bußgeldern von bis zu €50.000 geahndet. Bei grenzüberschreitenden Verstößen können zusätzlich die Bußgeldvorschriften des jeweiligen Nachbarlandes anwendbar sein. In Belgien liegen die Maximalstrafen deutlich höher. Die Polizei NRW überwacht die Einhaltung der Vorschriften auch in grenznahen Bereichen.
Geeignete Fluggebiete finden sich vor allem östlich und nordöstlich der Stadt: landwirtschaftliche Flächen in Richtung Würselen, Alsdorf und Stolberg (jeweils außerhalb der Merzbrück-Platzrunde und ohne Naturschutzstatus). Auch die offenen Flächen nördlich in Richtung Herzogenrath bieten Möglichkeiten — beachten Sie jedoch die Nähe zur niederländischen Grenze bei Kerkrade.
Nutzen Sie die DFS-App oder das LBA-Geo-Zonen-Portal, um die aktuellen Einschränkungen — insbesondere die Merzbrück-Platzrunde und temporäre NOTAM — vor Ihrem Flug zu prüfen.
Aachen stellt Drohnenpiloten vor eine deutschlandweit einzigartige Herausforderung: Das Dreiländereck erfordert die Kenntnis von bis zu drei nationalen Geo-Zonen-Systemen, der UNESCO-Dom und die lebhafte Altstadt schränken innerstädtische Flüge ein, und der Flugplatz Merzbrück sowie der nahe Maastricht Airport beeinflussen den Luftraum. Mit ordnungsgemäßer LBA-Registrierung auf lba-openuav.de, gültiger Versicherung und sorgfältiger Prüfung aller relevanten Geo-Zonen nach LuftVO §21h ist regelkonformes Fliegen in Aachens östlichen Außenbereichen jedoch möglich.
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